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| Hallo Herbst,
habe gerade deinen Thread gelesen.
Das zwanghafte Verhalten deines Mannes, sich von nichts trennen zu können, zeigt nahe liegend das selbige eines Messis auf. Aus den Medien erfährt man dazu ja von Zeit zu Zeit, dass diese Krankheit auf jeden Fall, wenn auch mühevoll, heilbar ist. Wie auch bei der OSS ist es sicher auch hier oberste Priorität zur Unterstützung einer Heilung einen kompetenten Therapeuten zu finden. D.h., einen Therapeuten, der von dem Thema 100 % Ahnung hat!
Nun finde mal einen Therapeuten, der sich mit OSS UND dem Messi-Syndrom auskennt, das wird sicher nicht einfach, wenn aber auch nicht unmöglich sein. Oder ihr entscheidet euch von vorn herein, den Fokus erst einmal auf das eine oder andere Problem zu richten?!?!
Auch wenn dein Mann einsieht sich ändern zu wollen...... sieht er denn ein süchtig zu sein? Eine Sucht kann man jemanden nur abgewöhnen, wenn er es Einsieht und es auch selber möchte.
Wie oft sagte mein damals noch OSS-süchtiger Mann zu mir, dass er einsieht viele Fehler zu machen.... dass er sich ändern muss...und es auch tun wird....das es ihm Leid tut....mich nicht länger leiden sehen möchte.....
Ich möchte dich nicht entmutigen, aber das war noch lange nicht das Ende der Sucht.
Das Ende der Sucht war MEINE Veränderung IHM gegenüber! Und das ist etwas, was ich dir hier und jetzt sehr ans Herz legen möchte. Liebe hin und her.....alles wunderbar!!! (Ehrlich und ohne jegliche Ironie gemeint!) Aber sich selbst aufgeben ... für einen anderen...hat NICHTS mehr mit DER Liebe zu tun, von der wir im gesunden Rahmen reden, wenn wir über eine verliebte , glückliche Partnerschaft reden.
Sicher gibt das Gefühl der Liebe Kraft, nicht gleich alles über Bord zu werfen, auch "in schlechten Zeiten" miteinander zu kämpfen, den anderen nicht fallen zu lassen..... aber IMMER und zwar immer mit einem gesunden und festen Fokus auf sich selbst....auf sein eigenes GESUNDES Ego!
Wenn doch genau DAS in einer "normalen / gesunden Beziehung ganz selbstverständlich erscheint, verblasst genau dieser wichtige Aspekt unter der erheblichen Stresssituation, die die Partnerinnen einen OSS Mannes ausgesetzt sind.
Man ist verzweifelt und merkt gar nicht mehr, wie man immer mehr Zeit mit seinen eigenen Gedanken mit SEINEM Problem verbringt.
Deshalb kann man den Angehörigen (meist halt Frauen) nicht oft genug sagen: " Hey, vergiss dich nicht! Lass die Sucht SEINE Sucht sein! Werde nicht zum Opfer SEINER Sucht! Lebe dein Leben, lebe noch selbstbewusster, festige dein gesundes Ego!"
Es ist ein unglaublich schwerer Kampf, liebe Herbst und du wirst noch oft an deine Grenzen stoßen. Deshalb ist es ganz wichtig, dass du es jederzeit schaffst, dich zeitweise "auszuklinken", so, dass dir das Thema nur ...sagen wir mal...."vernebelt" erscheint.
Unternehme noch bewusster Dinge die dir Spaß und Freude bereiten. Lenke dich ab von dem Thema so gut es geht! Ich habe mir z. B. Im Fitnesstudio eine „OSSgedankenfreiezeit“ geschaffen. Später kamen andere Umgebungen dazu....habe es regelrecht wieder lernen müssen, den Fokus auf mich zu richten. Das habe ich mir zur Aufgabe gemacht, um so wieder glücklich und zufrieden sein zu können. Und das, obwohl mein Mann immer noch OSS war.
Und weißt du, es war das Beste was ich tun konnte, denn ich wurde mental immer stärker um mich gegen die Sucht und meine Co-Abhängigkeit zu stellen. Ja, ich unternahm regelrecht ein Mental-Training mir mir selbst. Lese hier mal darüber: http://www.free-live.ch/was-ist-mental-training Nur kurz beschrieben, beschreibt aber genau das was ich dir ans Herz legen möchte.
So wurde ich immer stärker und es kam was kommen musste: Ich war meinen Mann samt seiner sch... Sucht (sorry, aber ich empfand es so) so was von Leid, dass ich endlich in der Lage war, ihm konsequente Ansagen zu machen die so was von unmissverständlich waren ;-))
Das war der erste sichere und richtige Schritt in seinen Suchtausstieg, den ich tun konnte: Mich ändern! Verstehst du was ich meine? Keine Tränen, keine Diskussionen, kein Bitten und Flehen hat so viel bewirkt, wie meine wiedergefundene gesunde Psyche!! Endlich fühlte sich auch für mich alles wieder gut uns richtig an! Wäre der Mann nach meiner konsequenten Forderung für immer gegangen, dann wäre es seine Entscheidung gegen mich ( und die Kinder) und für die Sucht gewesen. Er hat sich für mich -für seine Familie entschieden, er hat DANN kleine Hilfestellungen angenommen, die ich ihm bot. Er hat er geschafft....... wir haben es geschafft.
Es ist wichtig sich zu informieren und viel über das Thema zu erfahren. Ich hoffe, auch dein Mann interessiert sich für die wertvollen Informationen, die Gabriele dir empfohlen hat?!?!!
Es ist in erster Linie SEINE Aufgabe den ersten Schritt in seinen Suchtausstieg zu gehen.
Wenn du mal an einem realen, virtuellen Austausch interessiert bist, freue ich mich auf dich in unserer SHG, die jeweils Montags von 20 -21 Uhr stattfindet.
Am 18.August haben wir wieder unsere gemeinsame SHG. Diese findet nur alle ca. 4 Wochen statt. In dieser Runde tauschen sich Angehörige und Betroffene gemeinsam aus. Gerade die Angehörigen empfinden den gemeinsamen Austausch sehr hilfreich, da sie auch mal von anderen Betroffenen oder Ex-Betroffenen Fragen beantwortet bekommen.
Ich wünsche dir alles Gute! Denise
*Mit Steinen, die man mir in den Weg gelegt hat, habe ich mir einen Weg gebaut ++++++ Wenn einem die Treue Spaß macht, dann ist es Liebe -- Julie Andrews+++++* SHG für Angehörige: Jeden 1. Montag ab 20.30 Uhr |
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| Hallo Denise, vilen Dank für deine ausführliche Antwort. Wir reden fast gar nicht mehr über seine Probleme, er ist ein Meister im Verdrängen. Er war seither in keinem Forum mehr, dass weiß ich. Was natürlich in seinem Kopf spukt und ob er Verlangen danach hat kann ich nicht sagen. Auf Nachfragen sagt er "ich denke gar nicht mehr daran, wenn du mich nicht erinnern würdest".........kann man glauben oder nicht.
Was ich spüre ist, dass ich das was du schreibst "nach mir schauen" im Verstand verstehe, es aber vom Herzen noch nicht schaffe, so radikal zu sein. Immer noch ist der Gedanke da ihn zu kontrollieren, ihn zu schützen usw.....
Ich werde es mir aber sehr zu Herzen nehmen, Danke dir, du schreibst sehr sehr schön und sensibel an uns Betroffene Liebe Grüße Herbst
P.S. las gerade den Beitrag von Rollo, finde es mutig seine Ehrlichkeit, widerum wurde mir echt schlecht.....davor habe ich Angst
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